Über unsere Fähigkeiten traumatische Erlebnisse zu transformieren.


Im Laufe des Lebens kommen wir Menschen mit verschiedenen traumatischen Erlebnissen in Kontakt. Manches schockiert uns zutiefst, andere Ereignisse werden weniger deutlich wahrgenommen, bleiben dennoch im Gedächnis.
Patienten erzählen in einer homöopathischen Anamnese von ihren Sorgen und Nöten und nicht selten höre ich einen Satz den wir gut kennen: "Das ist mir in alle Glieder gefahren."


Trauma und Trauer steckt auch im Körper

Wir Menschen sind natürliche Wesen!
In Ihrer Phantasie folgen Sie mir nun bitte auf eine Lichtung in der Steppe Afrikas: Eine friedlich grasende Herde Zebras die plötzlich ein Geräusch wahrnimmt, sie hält inne mit dem Grasen und ist aufmerksam. Da kommt der Angriff eines Löwen und die ganze Herde flieht.

Was tun wir Menschen in einer bedrohlichen Situation? Entweder wir verteidigen uns (Aktion) oder wir ergreifen die Flucht(Aktion). Beides ist mit körperlichem Einsatz verbunden. Ist Verteidigung und/oder Flucht nicht möglich erstarren wir(Energiestau).
Menschen mit einer Furcht vor Hunden kennen das Erstarren vielleicht indem sie an einen Baum gelehnt im Wald stehen, während der Hund vor ihnen steht und bellt.
Zurück zur gehetzten Herde in Afrika: Ist der Angriff vorbei, schütteln sich die Tiere kräftig und das Grasen geht weiter.


Wie Trauma entsteht

Das Auflösen des Schreckens scheint bei den Tieren eine recht einfache und zeitlich begrenzte Sache zu sein. Bei uns Menschen ist die Erstarrungsreaktion länger anhaltend und durch die Angst wird nun der Energiefluss gehindert. Andauernde Traumasymptome entstehen durch eine nicht aufgelöste Immobilitätsreaktion.
Das Trauma ansich ist keine Krankheit, es ist eine Störung im Lebensfluss. Diese blockierte Energie (Immobilität) wiederum kann in der Folge zu körperlichen Erkrankungen führen. Meist sind es funktionelle Erkrankungen.


Symptome eines Traumas

Traumasymptome entstehen durch instinktive Reaktionen, die stark mit dem Körper verbunden sind. Sie können nicht nur durch ein einzelnes Erlebnis, wie Unfall oder durch den Tod eines geliebten Menschen entstehen.
Bei vielen Patienten habe ich erlebt, dass wiederholte kleine Verletzungen - Demütigung durch den Partner, häufiger Verlusst des Arbeitsplatzes oder Vernachlässigung in der Kindheit - ebenso zu einem Trauma und großer Trauer führen können.
Traumatisierte Menschen leben in ihrer eigenen Welt. Bei schweren traumatischen Ereignissen ist die häufigste  Reaktion das Verdrängen, Negieren oder Abspalten des Erlebten. Übertriebene Wachsamkeit und Ängstlichkeit führen zu einer ständigen körperlichen Anspannung, zu schneller  Gereiztheit und/oder Agression.
Wie oben schon erwähnt, entstehen auch eine Reihe körperlicher Symptome. Meist sind sie schwer zu diagnostizieren, da oft auffällige Parameter fehlen.


Den Körper als Helfer und Heiler erfahren

In dem Bewusstsein und der Erfahrung, dass ein Trauma auch im Körper steckt, sollten wir diese Möglichkeit nutzen und nicht nur die "Redekur" (Peter A. Levine) in Betracht ziehen. Niemand kann entsetzliche Ereignisse ungeschehen machen. Die Folgen jedoch, die ein Trauma auch im Körper hinterlässt, können gelindert oder geheilt werden.
Das beklemmende Gefühl in der Brust oder der Druck im Magen können genesen. Körperwahrnehmung bringt uns in die eigene Mitte und kann, durch kompetente Anleitung und Begleitung, Angst und Spannungen lösen.

Transformation

Wie könnte eine Umwandlung dieser unangenehmen, teils beängstigenden Gefühle aussehen?
Welche Möglichkeiten der besonderen Körperwahrnehmung stehen uns zur Verfügung?
Das Taiji oder Qigong sind "Leibesübungen" die helfen können erstarrte Energien und Strukturen zu lösen. Die sogenannte "Stehende Säule" aus dem Taiji nimmt dabei eine besondere Stellung ein, da unsere Aufmerksamkeit ganz auf das innere Zentrum und das Körperempfinden gerichtet wird. Aber auch Yoga oder Feldenkrais können helfen.
Eine passivere Form wäre eine gezielte therapeutische "Massage". Ich setze hier ganz bewusst diese Gänsefüßchen, da es bei einer traumatischen Belastung besondere Aufmerksamkeit und gesonderte Vorgehensweisen braucht.

Was noch zu sagen wäre

Dieser kurze Einblick in die Zusammenhänge zwischen Trauma und den körperlichen Reaktionen, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vieles wäre noch zu erwähnen.
Trauma ist (auch) eine nicht zum Abschluss gebrachte Aktion. Neben psychotherapeutischer Behandlung, haben wir aber Möglichkeiten sie zum Abschluss zu bringen, auch dann, wenn das Erlebte schon Jahre zurück liegt.

Für Neugierige

Buchtipps: Bessel van der Kolk - Verkörperter Schrecken
                    Diverse Bücher von Peter A
. Levine