Begleitung einer Demenzkranken - ein Erfahrungsbericht

Ich möchte an dieser Stelle keinen medizinischen Diskurs über Demenz abhalten. Vielmehr möchte ich meine Erfahrungen in der Betreuung einer Bekannten wiedergeben sowie einige Erkenntnisse und Informationen aus einer Schulung durch das Demenz-Netzwerk Overath.

Glaubt  man den Prognosen über die Zunahme demenzieller Erkrankungen, so wird es im Jahre 2050 schätzungsweise 3 Millionen Menschen geben, die an den unterschiedlichen Formen der Demenz leiden.

 

Wie alles anfing und die Schwierigkeit, offen mit Demenz umzugehen.

Als meine Bekannte vor wenigen Jahren verlauten ließ: "Ich glaub, ich hab Alzheimer", wollte und konnte das ihr Umfeld, Familie wie Freunde, nicht wirklich ernst nehmen. Schon gar nicht war seinerzeit erkennbar, was tatsächlich vor sich ging. Die Betroffene unternahm selbstverständlich alles, um ihre "Vergesslichkeit" zu verbergen. Natürlich gelang das eine gewisse Zeit, irgendwann wurde ihr geistiger Abbau jedoch unverkennbar. Trotzdem war es äußerst schwierig, offen darüber zu sprechen. Eine zutiefst menschliche Reaktion, denn ein gebrochenes Bein heilt, aber Demenz?

 

Diagnose und die unterschiedlichen Formen der Demenzerkrankung

Bei fortschreitender Erkrankung bemühte sich die Familie um eine Diagnose. Etliche Untersuchungen, inklusive MRT, erbrachten jedoch keinerlei  Hinweise auf eine Alzheimer-Erkrankung. Dies war für die Familie zunächst irritierend, denn Demenz war doch Alzheimer, oder?
Zu diesem Zeitpunkt begann auch ich, mich intensiver mit den unterschiedlichen Formen der Demenz und dem Krankheitsbild auseinanderzusetzen. Sehr schnell wurde klar: Es gibt nicht "die Demenz"! Das bekam ich auch in einer Schulung des Demenz-Netzwerks Overath bestätigt, die mir weitere Einblicke in das Krankheitsgeschehen ermöglichte.

Meiner Bekannten hatte man damals eine Depression diagnostiziert - eine wohl typische Begleiterscheinung zu Beginn einer demenziellen Erkrankung. Weitere Untersuchungen wurden durch die Betroffene vehement abgelehnt. 
Im Rückblick vermute ich, aus Angst, man könne durch weitere Tests ihren geistigen Verfall bestätigen. Damals merkte sie noch, dass sie die in der Untersuchung gestellten Fragen nicht mehr korrekt beantworten konnte. Die Furcht, im Krankenhaus bleiben zu müssen, war zu groß.

 

Symptome und der demenziell erkrankte Mensch

Wie oben schon erwähnt gibt es nicht "die Demenz". Verschiedene Anzeichen wie  Wortfindungsschwierigkeiten, Verlegen von Gegenständen, Unruhe, ständiges Wiederholen des Gesagten, Interessenlosigkeit, kognitive Störungen, Angst, Agression, Gangunsicherheit, Enthemmung oder Schlafstörungen sind nur einige Symptome eines vielfältigen Krankheitsbildes, die unterschiedlich stark, in unterschiedlichen Kombinationen auftreten können.

Als ich die regelmäßige Betreuung meiner Bekannten aufnahm, konnte ich mit ihr - je nach Tagesform - noch anregende Gespräche führen. Gleichzeitig aber war sie nicht mehr fähig, sich selbst die Haare zu waschen, da sie die Schampooflasche mit der Fruchtsaftflasche verwechselte. Beides sieht ja ähnlich aus. Immer öfter musste ich feststellen, dass meine Bekannte in ihre eigene Welt, ihre eigene Wahrnehmung entglitt.

 

Akzeptanz und Humor sind hilfreich

Ich kann nicht sagen, es sei einfach einen Demenzkranken zu begleiten - schon gar nicht für die Angehörigen. Aber ich habe gelernt, einerseits durch meine erkrankte Bekannte, andererseits durch Herrn Hörmanseder, den Leiter der Schulung, dass mit einem Quentchen Humor und Spaß vieles leichter geht. Und lachen kann ich mit meiner Bekannten noch immer!
Am wichtigsten ist jedoch, den Dementen mit all seinen Defiziten und Absonderlichkeiten anzunehmen wie er ist, seine Grenzen zu erkennen, ihm auf Augenhöhe zu begegnen und seine Wünsche und Empfindungen zu respektieren. Wahrlich eine große Herausforderungen für Begleitende und die ganze Gesellschaft.

Meine Freundin freut sich immer, wenn ich sie besuche. Begegnungen mit anderen Menschen können problematisch sein. Sie verliert zwar ihren Verstand, aber nicht die Kompetenz zu wünschen und zu fühlen. Alle Erlebnisse, die mit starken Emotionen verbunden sind, können noch erinnert werden, erfreuen ihr Herz oder beängstigen sie. An Namen erinnert sie sich meist nicht mehr, und ihre sprachlichen Fähigkeiten nehmen weiter ab. Jedoch erkennt sie noch Verwandte und Freunde.
Aber wie lange noch?

 

Homöopathie und Demenzerkrankung

Während meiner Schulung hatte ich das eine oder andere "Aha-Erlebnis". Wenn von Validation die Rede war, oder davon, dass jeder Erkrankte mit seiner Symptomatik einzigartig ist, erkannte ich Parallelen zu den homöopathischen Grundprinzipien.
Die Validation könnte als "homöopatisches Handeln oder Reden" umschrieben werden.
"Ähnliches möge Ähnliches heilen", heißt es bei Samuel Hahnemann. Leider gibt es nach heutigem Erkenntnisstand noch keine Aussicht auf Heilung von Demenz. Dennoch kann eine homöopathische Behandlung als unterstützende Maßnahme eingesetzt werden, sowohl beim Erkrankten selbst, als auch für Begleitpersonen und Pflegepersonal.

 

Buchtipp

Die Schulung des Demenz-Netzwerks lief unter dem Titel "Ein Blick in die Welt von Menschen mit Demenz".
Diesen Einblick bietet auch ein Lesebuch der Autoren Michael Schmieder und Uschi Entenmann "Dement aber nicht bescheuert".